Intelligente Automatisierung: Was es braucht, um den Kampf um die digitale Transformation zu gewinnen

Clay Richardson, Mitbegründer von DigitalFastForward

Dieses Gespräch mit dem Experten für digitale Transformation Clay Richardson, das erstmals 2017 veröffentlicht wurde, beleuchtet die Konvergenz von BPM, RPA und Low-Code-Automatisierung und wie diese Unternehmen auf dem harten Weg zur digitalen Transformation unterstützt.

Richardson, Mitbegründer von Digital FastForward, einem Beratungsdienstleister in den Bereichen Design Thinking, digitale Innovation und Lean-Startup-Strategien, ist der Meinung, dass Automatisierung mehr als lediglich ein Prozess sei.

Es gehe darum, Arbeitnehmern die Möglichkeit zu geben, sich auf hochwertige Aufgaben zu konzentrieren. Automatisierung sei heute nicht nur auf Kostensenkung, sondern auch auf Umsatzsteigerung ausgelegt.

Selbst inmitten des wirtschaftlichen Abschwungs infolge der Coronavirus-Pandemie legen Unternehmen ihre Automatisierungsvorhaben nicht auf Eis. Lebensmittelhändler und große Unternehmensketten setzen Roboter ein, um Böden zu reinigen, Regale zu füllen und Lebensmittel an die Kunden zu liefern.

Im Transport- und Finanzdienstleistungssektor sehen wir, wie führende Unternehmen im digitalen Bereich auf Bilderkennung, Dokumentenklassifizierung, Datenextraktion und Übersetzungsdienste auf KI-Basis setzen, um ihren Mitarbeitern eine weitaus effizientere Datenverarbeitung und Entscheidungsfindung zu ermöglichen als je zuvor.

Automatisierung muss nicht beängstigend sein

Automatisierung hilft Ihnen, mit Veränderungen Schritt zu halten. Auf der Makroebene kämpft die gesamte Wirtschaft darum, sich an eine noch nie dagewesene Volatilität anzupassen. Wie sich herausstellt, hat die Automatisierung in dieser Entwicklung eine wichtige Rolle gespielt. Vor fünf oder zehn Jahren setzten Unternehmen überaus anspruchsvolle BPM-Software und Integrationstechnologie ein, um riesige Mengen an Arbeit zu automatisieren, so etwa die Finanzabwicklung in Banken oder die Bereitstellung von Dienstleistungen im Rahmen riesiger Telekommunikationsnetzwerke. Dabei handelte es sich um überaus komplexe Herausforderungen.

Spulen wir vor ins Jahr 2020. Angesichts der sich wandelnden Wirtschaftsbedingungen in Zusammenhang mit der Automatisierung, der Konvergenz von KI und Workflow-Automatisierung und des Aufkommens von Low-Code-Plattformen können sich selbst geschäftliche Power-User daran beteiligen, Lösungen für die Unternehmensautomatisierung zu entwickeln und mit Kunden zu testen.

„[…] Ein Teil dieser Transformation besteht darin, verschiedene Technologien im Rahmen der eigenen BPM-Plattform auf unterschiedliche Weise zu nutzen“, so Clay Richardson. „Die Hauptidee ist jedoch, dass man Prozesse als primären Fokus für das Design hinter sich lassen muss“, fährt et fort.

„Egal ob Sie Geschäftsprozessmanagement-Technologie, Robotic Process Automation (RPA) oder zusätzliche Technologien verwenden, […] der Fokus sollte immer auf dem Kunden und dem Kundenerlebnis liegen.“

Zuvor war Richardson bei Forrester Research tätig und leitete dort Forschungs- und Kundenberatungsprojekte in Zusammenhang mit digitaler Innovation, digitaler Automatisierung, Design Thinking und Lean-Startup-Prozessen. Er kann häufig als Hauptredner bei Branchenveranstaltungen, Technologiekonferenzen und Kundenforen auf der ganzen Welt angetroffen werden. In dieser Neuauflage eines früheren Interviews aus der Reihe „Digital Masters“ erläutert Richardson die wichtigsten Fakten zu folgenden Themen:

  • Wie man digitalen Raubtieren nicht zum Opfer fällt.
  • Warum die Kombination von BPM, RPA und Low-Code die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen vorantreiben wird.
  • Wie und warum sich die digitale Automatisierung von den Schwerpunkten Effizienz und Kosteneinsparungen auf die Schwerpunkte Einnahmen, Produktivität und Umsatzwachstum verlagert.

Viel Spaß mit diesem Interview.

Appian: Sie waren über sieben Jahre bei Forrester. Jetzt haben Sie eine neue Firma namens Digital Fast Forward mitbegründet. In welchem Bereich ist Digital Fast Forward tätig?

Richardson: Wir konzentrieren uns darauf, Unternehmen bei der Umstellung auf die digitale Transformation zu unterstützen. Vielen Unternehmen fehlen dazu die digitalen Fertigkeiten […]

Appian: Was ist im Hinblick auf digitale Fertigkeiten die größte Kluft, die Sie beobachten? Und was können Unternehmens- und IT-Führungskräfte tun, um diese zu überbrücken?

Richardson: Die größte Kluft, die ich sehe, betrifft das kreative Denken. Mein Hintergrund ist in der Informatik. In diesem Bereich wurde mir beigebracht, Problemlösung auf eine sehr logische Weise anzugehen – relationale Datenbanken, Java-Entwicklung und so weiter. Das ist eine großartige Fähigkeit zur Lösung statischer Probleme.

In der digitalen Wirtschaft brauchen wir jedoch kreative Problemlösungs-Kompetenzen für Angelegenheiten, die dynamischer sind. Wir müssen in der Lage sein, uns gegen Konkurrenten zu behaupten, die es zuvor nicht gab.

Nehmen wir als Beispiel Blockbuster und Netflix. Blockbuster wusste, dass Streaming und ähnliche Technologien auf dem Vormarsch waren. Aber das Unternehmen war nicht in der Lage, sein Geschäftsmodell zu überdenken, um sich an einen schnelllebigen Markt anzupassen. Die Fähigkeitskluft, von der ich spreche, ist also der Bedarf an kreativen, abstrakteren Problemlösungs-Kompetenzen.

Appian: Dem Weltwirtschaftsforum zufolge werden die Fähigkeiten, die Unternehmen benötigen, um in der neuen digitalen Wirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben, bis 2020 völlig anders sein als im Jahr 2015 […] Was halten Sie von diesem Argument?

Richardson: Die Forschung zeigt, dass diese neue Revolution eine große Herausforderung für IT-Teams darstellt, insbesondere angesichts der Geschwindigkeit, mit der Innovation und Veränderung stattfinden. Das bedeutet, dass unsere Geschäftsmodelle, Talente, Kultur und Organisationsstruktur neu überdacht werden müssen.

Digitale Migration und Gnus

Appian: In einem BPM-Interview sprachen Sie kürzlich über digitale Raubtiere und digitale Beute […] und Sie haben eine Analogie zu Gnus gezogen. Wie trifft diese Analogie auf das Wettbewerbsumfeld zu, das wir mit der digitalen Transformation erleben?

Richardson: Die Gnu-Analogie kam mir auf einer Reise nach Südafrika in den Sinn. Wir waren auf einer Safari und bekamen die jährliche Migration der Gnus zu sehen. Und das hat mich an die vielen BPM-Teams denken lassen, die aus der traditionellen BPM-Welt in die digitale Welt migrieren.

Doch während dieser Übergangsphase lauern sozusagen Krokodile im Wasser. Es geht darum, sich nicht allein auf das Prozessmodell zu konzentrieren. Und ich glaube, hier fallen viele Unternehmen den digitalen Raubtieren zum Opfer.

Wenn man von einem traditionellen BPM-Ansatz zu einer digitalen Herangehensweise übergeht, muss man sich auf das Kundenerlebnis konzentrieren, sich in den Kunden hineinversetzen und Lösungen entwickeln, die den Kundenerwartungen entsprechen.

Ein Teil dieser Transformation besteht darin, verschiedene Technologien im Rahmen der eigenen BPM-Plattform auf unterschiedliche Weise zu nutzen. Die Hauptidee ist jedoch, dass man Prozesse als primären Fokus für das Design hinter sich lassen muss. Ganz gleich, ob man BPM-Technologie, Robotic Process Automation (RPA) oder andere komplementäre Technologien verwendet: Wenn es um die Digitalisierung geht, sollte der Schwerpunkt immer auf dem Kunden und dem Kundenerlebnis liegen.

Low-Code erfüllt das Versprechen von BPM

Appian: Lassen Sie uns über die Konvergenz von Robotic Process Automation (RPA), BPM, Low-Code und anderen komplementären Technologien sprechen. Was treibt diese Konvergenz voran und welche Rolle spielt sie im Rahmen der digitalen Transformation?

Richardson: Es geht darum, die gesamte Organisation in die Lage zu versetzen, sich an der digitalen Transformation und der digitalen Innovation zu beteiligen. Fakt ist, dass BPM in der Vergangenheit als Plattform vermarktet wurde, die Wirtschaftsanalytiker und so ziemlich jeder nutzen kann. Die Realität ist, dass in den meisten Fällen Entwickler 90 % der Arbeit erledigen müssen.

Was wir jetzt mit Low-Code feststellen, ist, dass die BPM-Vision allmählich zur Realität wird […] Benutzer ohne Programmiererfahrung können sich jetzt an der Erstellung von Lösungen beteiligen und diese mit Kunden testen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass digitale Transformation und Innovation nicht auf den Schultern einiger weniger Leute in einem Unternehmen lasten sollten. Das ist der sicherste Weg in eine Katastrophe.

Appian: Inwiefern?

Richardson: Ich habe mit Kunden Szenarien erlebt, in denen eine Handvoll Leute in einem IT-Team für die gesamte Innovation zuständig sind. Ziemlich schnell wird das Team zu einem Engpass. Und digitale Transformation wird als nichts weiter als ein simples Schlagwort angesehen, sodass nichts erreicht wird.

Aber Low-Code erlaubt es Nicht-Entwicklern, gemeinsam mit Kunden neue Ideen zu entwerfen, umzusetzen und zu testen, sodass sie Änderungen an Produkten und Dienstleistungen, die einen großen Einfluss auf eine Organisation haben können, validieren können.

Low-Code bietet also eine Plattform, die von sämtlichen Abteilungen einer Organisation genutzt werden können, um Innovation und Kreativität zu fördern.

Der RPA-Ansatz passt insofern ins Bild, als er eine einfache Möglichkeit bietet, Robotic Process Automation einzuführen, um Kunden zu helfen. Die Leute neigen dazu, RPA als komplexe Implementierung zu betrachten. Doch in Wahrheit vereinfacht Low-Code den Automatisierungsprozess. Dadurch werden Entwickler, Back Office- und Front-End-Mitarbeiter von einfachen Routineaufgaben entlastet, sodass sie sich stattdessen auf sinnvollere Aufgaben konzentrieren können.

(Lassen Sie sich nächste Woche nicht die letzte Episode unseres zweiteiligen Gesprächs mit dem Experten für digitale Transformation Clay Richardson entgehen. In der Zwischenzeit können Sie hier mehr über intelligente Automatisierung erfahren.)

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